aids awareness tour
Online-Tagebuch
Willkommen zu unserem Tour-Tagebuch.
„be your own hero!“ heißt die neue Aufsehen erregende Aktion des Extremsportlers Joachim Franz. Zusammen mit seinem Team hat es sich Franz auch 2007 wieder zur Aufgabe gemacht, die Bevölkerung durch medienwirksame, sportliche Leistungen auf die Gefahren von HIV aufmerksam zu machen. Hierzu wird er zwischen dem 16. Juni und dem 08. Juli insgesamt 4.000 Kilometer auf dem Fahrrad durch Deutschland touren. Auch in diesem Jahr unterstützt KYOCERA das Joachim Franz Team natürlich wieder als Sponsor bei seiner außergewöhnlichen Aufklärungs- und Spendenkampagne.
Wir möchten das Projekt aber nicht nur finanziell unterstützen, sondern mit unseren Partnern auch vor Ort präsent sein.
So werden zusammen mit ortsansässigen Fachhändlern in den Zielstädten Hamburg, Frankfurt, Mönchengladbach , Berlin und München Ausstellungsflächen und Indoor-Cyclings für Kunden organisiert, zudem überreicht KYOCERA zusammen mit dem Fachhhändler jeweils einen
Scheck über 1.000 Euro an ein regionales Aids-Projekt. Zwei Farbdrucker FS-C5025N fahren die gesamte Tour im Medienfahrzeug mit und sind täglich für den Ausdruck von Pressemitteilungen, Spendenquittungen und Urkunden für die Cycling-Teilnehmer im Einsatz.
Samstag, 16.Juni 2007: Freiburg
14:00 Uhr : Prolog
Tag null, der Countdown läuft. Pünktlich um 15 Uhr trifft sich das gesamte Team an der Jugendherberge in Freiburg: 7 Radsportler, 20 Betreuer, Fahrer, Techniker, Mediziner, Medienleute. Aus ganz Deutschland sind sie angereist, um unsere Botschaft durch die Republik zu tragen: Be your own hero – im Kampf gegen Aids kann jeder etwas tun!
Die erste Gelegenheit dazu bietet sich bereits am späten Nachmittag: Am Freiburger Rathaus steht der Empfang durch Stadtrat Walter Krögner an, der auch Vorstandsmitglied der hiesigen Aids-Hilfe ist. Und wie sich das so trifft: Auf dem Rathausplatz ist die Hölle los! Die Stadt Freiburg feiert gemeinsam mit ihren acht Partnerstädten aus Europa, Asien und Amerika, die Sonne strahlt dazu und tausende Menschen pilgern zwischen Ständen und Buden. Unser wunderschönes Buch der Verantwortung, dick und groß und rot, wird ausgepackt und auf Anhieb mit den ersten 150 Unterschriften befüllt. Auch unsere Fahrzeugkolonne erregt Aufmerksamkeit, wir werden mit Fragen bestürmt. Dabei zeigt sich schnell, wie bitter nötig unsere Kampagne ist: Während ein 12jähriger tatsächlich über das Thema HIV Bescheid weiß, glaubt eine 17jährige doch tatsächlich, die Pille beschütze sie auch vor Aids!
Im Laufe von einer Stunde gehen hunderte Flyer unter die Leute – und mit den Besuchern aus den Freiburger Partnerstädten vermutlich auch hinaus in die weite Welt.
Sonntag, 17. Juni 2007: Freiburg - Saarbrücken
Pünktlich um 7 Uhr morgens fällt der Startschuss zur großen Deutschland-Expedition. Und gleich zum Auftakt stehen 240 Kilometer auf dem Programm. Sieben Radsportler, Vorderrad an Hinterrad, den schweren Atem der anderen im Nacken – so führt die Route vor dem Hintergrund der Schwarzwald-Höhenzüge durch die Felder, Obstplantagen und Weinberge des Breisgaus. Die Morgenkühle weicht allmählich der Sommerhitze, als in Baden-Baden der erste Halt ansteht. Bürgermeister Dr. Klaus Michael Rückert aber hat nicht bloß ein Grußwort mit an die Fieser-Brücke gebracht, sondern auch frische Brezeln und kühle Getränke.
Das zweite Teilstück zeigt dann, was in den nächsten Wochen auf uns zukommt: das Thermometer klettert und die Straße des Öfteren auch. Drei unserer Sportler zahlen den ersten Tribut an diesen flying start: Sie müssen in der größten Mittagshitze kurzzeitig vom Rad, doch die anderen vier halten eisern durch.
Punkt 17:00 Uhr rollen unsere Jungs und unser Mädel auf den Hof des Saarbrücker Schlosses zum großen Empfang ein. Und weil gleich nebenan bei „Sonntags am Schloss“ hunderte von Musikfans versammelt sind, muss das Team auch dort gleich noch auf die Bühne und den erstaunten Zuhörern erklären, was es vorhat. „4.000 Kilometer durch ganz Deutschland? Das schaffen die nie!“ Da war sich eine jüngere Dame ganz sicher – aber nur, bis sie die Muskelpakete unserer Truppe ausgiebig studiert hat: „Oder vielleicht doch?“
Um 18 Uhr steht der erste große Indoor-Cyclingevent an. Zahlreiche Besucher sind gekommen: mehr als 40 Wagemutige strampeln sich unter der Leitung eines Profi- Trainers zu dröhnenden Rhythmen durch den dreistündigen Marathon für die gute Sache.
Montag, 18. Juni Karlsruhe und Stuttgart
Widmen wir diesen Tag einmal ausschließlich den Sportlern. Meine Güte, haben die geschuftet heute! Erst durch den Pfälzer Wald, dann weiter bis Stuttgart, die Berge hinauf und hinunter, hoch und runter, immer wieder, 210 lange Kilometer weit. „Berg- und Talbahn“ seien sie gefahren, nennt Joachim das.
Nur dass die Jungs und das Mädel eben selbst fürs Vorwärtskommen sorgen mussten. Bis zu 18 Grad Steigung – da seilt sich unsereins ja bald an!
Das Ganze bei brütender Hitze – bis zwischen Karlsruhe und Pforzheim der Regen kam, und zwar richtig: Ein dicker Platzregen, der in guten alten Landregen überging. Salziger Schweiß, der sich mit dem Regen vermengt, in die Augen und die Monturen läuft.
Zwei unserer Sportler konnte aber auch diese Art der Erfrischung nicht mehr helfen. Das brachiale Auf und Ab zwang sie in die Knie. Beide mussten zwischenzeitlich aus dem Sattel, weil sie das Tempo der anderen nicht mehr halten konnten. Die anderen traten dafür umso heftiger in die Pedale, jetzt erst recht, und so wurde am Ende auch diese mörderische Etappe bezwungen.
Und trotz aller Strapazen absolvierte die Truppe auch noch die beiden Pressetermine mit Anstand, schüttelte den Bürgermeistern von Karlsruhe und Stuttgart schwitzend die Hand, stand den Zeitungsjournalisten und Fernsehreportern geduldig Rede und Antwort. Und dann hat ihnen ein Fachmann in Stuttgart auch noch gesteckt, dass ganz in der Nähe die Strecke der deutschen U23-Radmeisterschaften verlaufen ist und wer es bis hierher schaffte, das Schlimmste hinter sich hatte. Wie tröstlich – wir haben nämlich noch fast drei Wochen vor uns!
Dienstag, 19.Juni Ansbach und Nürnberg
Der heutige Tag begann etwas ernüchternd: Patrick musste aussetzen. Eine alte Wadenverletzung macht sich bemerkbar. Es folgte eine Odyssee durch Stuttgart, ehe die Hauptstadt der Schwaben uns aus ihren asphaltenen Klauen entließ. Dann die mörderische Etappe durch das Hohenloher Land nach Ansbach: Enge, gewundene Sträßchen wogen in stetem Auf und Ab durch eine malerische Landschaft aus schattigem Laubwald und idyllischem Wiesengrund – nur hat leider kein Radfahrer ein Auge dafür bei 30 Grad und mehr . . . Doch es gibt auch diese positiven Überraschungen. Verena ist so eine. Verena ist dafür verantwortlich, dass an den Veranstaltungsorten pressetechnisch alles klappt. Wo bleibt der Bürgermeister? Und die Herren Journalisten? Noch ein paar Infos gefällig? Kommt unserem Filmer mit dem Blick fürs Besondere, eine seiner berüchtigten Szenen in den Sinn – Verena schafft die Opfer bei.
Kein Wunder also, dass nicht nur alles prima läuft, sondern unter uns selbsternannten Künstlern auch noch gute Stimmungund pure Harmonie herrschen. Klar auch, dass wir Medienleute schon einen Kosenamen für unser Verenchen haben – aber den verraten wir hier natürlich nicht.
Mittwoch, 20. Juni – Erlangen und Bayreuth
Ollis Geburtstagsdusche
Heute legte unser rennradelnder Super-Olli ein Jährchen drauf! 34 Jahre alt ist er geworden, der Knabe. Sieht man ihm natürlich nicht an, aber „Happy Birthday“ haben wir trotzdem alle gesungen, direkt vor dem Start der heutigen Etappe. Und weil das so schön war (oh je . . .), durfte Olli auch gleich an der Spitze radeln und Tempo machen.
Wieder ging es durch traumhaft schöne Landschaften, die fränkische Schweiz mit ihren schattigen Hainen und sonnenüberfluteten Wiesen, und gleich neben der Straße rauschte der Bach. Dumm nur, dass keiner hinein durfte, obwohl sie Erfrischung bitter nötig gehabt hätten.
Berg auf...
Joachims Schaltung spinnt. Der Teamchef quält sich durch die hohen Gänge. Doch wie der Zufall es will: Genau da ist der Wagen von Kamera-Olli am Ort des Geschehens und den lenkt Steffen. Steffen ist nicht nur selbst ein Radfahrer aus der oberen Schublade, er kennt sich auch mit Technik aus. Innerhalb von vier Minuten hat er den Fehler in der Gluthitze am Straßenrand behoben – und das war wirklich gut so: Kurz danach kommt eine 18prozentige Mördersteigung! Da wäre nicht mal Il Chefe in den großen Gängen hochgekommen . . .
So aber schafft die Truppe, in der erneut Patrick wegen seiner Verletzung fehlt, alle Termine ohne Probleme: Sowohl der Bürgermeister von Erlangen als auch der OB von Bayreuth können uns fristgerecht in Empfang nehmen.
Und der von Olli spendierte Kuchen wandert sozusagen noch ofenfrisch in unsere Mägen. Dass Olli am Abend in der Jugendherberge von den Mädels als Geburtstagsgeschenk noch eine Massage bekommen hat, ist eine andere Geschichte. Seltsamerweise haben die nächsten Tage aber alle Jungs Geburtstag.
Donnerstag, 21. Juni – Hof und Zwickau
Beginnen wir mit den weniger erfreulichen Nachrichten: Heute haben Patrick und Nicole das Team aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen verlassen.
Doch es geht weiter und beim restlichen Tagesgeschehen handelt es sich durchwegs um positive Ereignisse. Selbst das schwere Gewitter am frühen Morgen und der folgende Sturzregen konnten niemanden so richtig beeindrucken und dass es den restlichen Tag auf dem Weg nac Hof und weiter nach Zwickau meist trüb und grau blieb, wurde nach der brütenden Hitze der letzten Tage mehr als aufgewogen durch die deutlich angenehmeren Temperaturen.
Und dann gibt es da ja noch unsere Debütanten! An Patricks Stelle schwingt sich heute nämlich erstmals Steffen in den Sattel. Und er legt gleich los, als sei der Teufel hinter ihm her! Klar, der Junge ist richtig heiß: Tagelang hat er den anderen Radlern vom Steuer des Film-Autos aus zugesehen, hat es ihn gejuckt und gekitzelt. Am Abend aber, da sieht man ihm an, wie glücklich der Debütant ist. „Schade, dass lange Bergetappen erst wieder gegen Ende anstehen.“ Ehrlich: Der spinnt, der Junge!
Das zweite Debüt folgt: Jens, gemeinsam mit Manni verantwortlich für das allabendliche Indoor-Biking, gibt seinen Einstand als Vorreiter. Dazu muss man wissen, dass Jens zur Gattung der zurückhaltenden Schweiger gehört. Und was passiert: Der Kerl hockt da vorne auf seinem Bike und feuert die Massen an, hält sie auf Trab als habe er sein Leben lang nichts anderes getan. Nach einer Stunde tobt der Mob und Jens klettert schwitzend, aber glücklich aus dem Sattel. Jaja, stille Wasser sind eben tief.
Freitag, 22. Juni – Chemnitz und Leipzig
Heute war der Tag der Extreme. Oder Achterbahn der Gefühle. Eigentlich war die Welt ja in Ordnung: Meist bewölkt, aber kaum Niederschlag. Nicht zu warm und nicht zu kalt. Ein paar Steigungen, aber keine Extremkletterei.
Dann erreichen wir Chemnitz. Finden den Weg hinein ins wunderschöne und entsprechend verwinkelte Zentrum, biegen ein auf den Rathausplatz. Und dort ist die Hölle los: Die heimische Aids-Hilfe hat einen Stand aufgeschlagen, die mobile Beratung des Gesundheitsamts ist angerückt, Vertreter von pro familia, different people und der Selbsthilfegruppe Wildwasser Chemnitz sind vertreten, zwei Gymnasiumsklassen halten nach uns Ausschau.
Nach der Begrüßung führt Liebhard Monzer, Leiter des Gesundheitsamts, die gesamte Truppe samt Besuchern hinauf in den altehrwürdigen „Grünen Salon“ des Rathauses, der fast aus den Nähten platzt, als Joachim mit einem flammenden Vortrag zu Höchstform aufläuft. Zur Belohnung erklären die Schüler und Schülerinnen ihm dann ihre große Stellwand zum Thema Aids – solch ein Engagement ist genau das, was wir erreichen wollen!
Ernüchternd fällt der Empfang in Leipzig aus: Zwar sind auch hier die Chefs von Gesundheitsamt und Aids-Hilfe vor Ort, die werte Presse aber glänzt mit Abwesenheit. Zur Belohnung kriegen sie jedoch eine richtig gute Show beim Indoor-Cycling im frei geräumten Showroom hingelegt. Die Teilnehmer des Events taten das ihrige, um das Image der Stadt noch aufzumöbeln: Mehr als 1.000 Euro landeten am Ende in der Spendenkasse.
Samstag, 23. Juni – Torgau und Lutherstadt Wittenberg
Sieben Tage. Zeit also für eine Zwischenbilanz. Die Stunde der Zahlen: 1.300 Kilometer Wegstrecke sind geschafft! Mehr als 1.000 Unterschriften im Buch der Verantwortung gesammelt. Es hat aber auch die Stunde der Anektödchen geschlagen. Beispielweise für das, was die Herren Radfahrer verheimlicht haben.
Also: Den Reißer der Woche auf dem Rennrad hat Brauni abgeliefert. Er brettert in Spitzenposition eine steile Piste hinab. Und die anderen wundern sich schon, dass er vor der scharfen Linkskurve nicht bremst. Nun ja, links rum will Brauni auch gar nicht: Er brät versehentlich geradeaus in die Einfahrt eines Bauernhofes, sieht den Misthaufen auf sich zukommen, erkennt, dass irgendetwas nicht so ganz stimmt.
Geht in die Eisen und kommt zum Stehen. Uff, gerade so! Doch schon stürzt ein schwarzes Ungetüm bellend, knurrend und mit gefletschten Zähnen auf ihn zu – ob der Hofhund angekettet ist oder frei herumtobt, Brauni will es gar nicht so genau wissen: Er macht sich schleunigst vom falschen Acker und manche behaupten, er sei dabei mindestens genau so schnell gewesen, wie er gekommen ist.
Es gibt auch diese netten Episoden. Die von der Polizei etwa, die von der Besatzung eines Begleitfahrzeugs an der roten Ampel wissen will, was das hier sein soll. Dann einen Satz Info-Flyer beschlagnahmt – und sich sozusagen von Amts wegen ans Verteilen macht.
A propos heute. Da führte die Route zunächst nach Torgau. Das ist dort, wo sich anno 45 die Amerikaner mit den Russen getroffen haben, um dem Nazi-Spuk endlich ein Ende zu bereiten. Das 19.000-Seelen-Städtchen aber, selbst nicht gerade im Wohlstadt schwimmend, überreicht einen Scheck und es kommen immer wieder Passanten über den Marktplatz geschlendert, um sich in unserem dicken Buch zu verewigen.
Sonntag, 24. Juni – Potsdam und Berlin
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Es gibt Tage, die wird man ganz besonders gut in Erinnerung behalten. Heute war so einer. Strahlender Sonnenschein, die endlosen Geraden durchs Brandenburger Land, im Wind wogende Getreidefelder und scheinbar wie mit dem Lineal gezogene Baumalleen, das unter einem strahlend blauen Himmel silbern glitzernde Wogenspiel des Schwielowsees und die weißen Segel der Boote hineingetupft wie Wolken am Firmament – ein Sommermärchen. Konnten wir natürlich nicht. Die Radfahrer hängen Rille an Rille aneinander, da macht Träumen sich nicht so gut. Als unser Team in Potsdam durch das dortige Brandenburger Tor rollte, brandete richtig dicker Jubel auf.
Am Abend zeigten die Berliner, dass sie es besser können als Politik und Presse ihrer Stadt: Keiner der hohen Herren aus dem Rathaus und kein einziger Herr Journalist hatten es für nötig befunden, ihre Sonntagsruhe wegen uns zu unterbrechen. Aber schon auf der Fahrt über die Straße des 17. Juni, vorbei an der Siegessäule und das (diesmal das große) Brandenburger Tor gab es Beifall.
Die Leute vom Fitness-Studio Insel Sports Club aber klotzten dann erst Recht ran: Würstchenbude, Getränkestand, Gartenbänke und –tische, rund 100 Indoor-Cycles im Hof und ganze Horden an Publikum. Die Musik wummerte und schummerte, die Menschen strampelten und spendeten.
Freuen durfte sich aber auch die Kindertagesstätte Fuggerstraße, wo gesunde, behinderte und HIV-infizierte Kinder unter einem Dach in den Kindergarten gehen: Wolfgang-Michael Görwitz, Berliner Partner von KYOCERA, überreichte dem Integrations-Projekt einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro zur Finanzierung der dringend nötigen Erweiterung des Spielplatzes.
Joachim aber ging abends noch mal in den Golfclub. Von seinem Handicap weiß man zwar nichts, aber zum Spielen war er ja auch gar nicht dort: Der Kycera Partner Horn&Görwitz hatte seine Berliner Kundschaft an den Wannsee geladen. Die rund 60 Gäste liessen sich nicht lumpen, als Joachim ihnen erklärte, was wir derzeit unternehmen: 690 Euro kamen an Spenden zusammen. Und weil bekanntlich Geld die Welt regiert, wurde der schöne Tag damit noch viel wunderbarer.
Montag, 25. Juni – Neuruppin - Pritzwalk
Landschaften wie aus dem Bilderbuch gibt es im Brandenburgischen: Weites Wiesenland, in dem Kühe und Schafe friedlich weiden, unterbrochen von Laubwäldern mit lichtem Unterholz. Die Straßen ziehen sich als schattige Alleen durchs Land und die Zeit scheint still zu stehen:
Dörfer, die verlassen wirken – trotz der vielen Storchennester! – noch immer in tristem realsozialistischen Grau getünchte Häuser, sogar die „Straße zum Rinderkombinat“ zweigt noch ab ins Nirgendwo. Misstrauische Blicke begleiten die Medienleute, wenn sie auf den verlassenen Straßenzügen nach Motiven suchen. Impressionen aus dem wilden Osten.
Am meisten zu tun hat Tino. Fast alle Sportler haben so ihre Wehwehchen, was man ja verstehen kann angesichts der täglichen Torturen auf abseitigen Marterstrecken. Tino gehört zur Praxis für Chiropraktik in Wolfsburg und behandelt die Gelenke & Muskulatur an den Hälsen von Joachim und Brauni, Steffens Nacken, die erst vor kurzem operierte Schulter von Tom und Heinos Knie. Jeden Abend baut er seinen Tisch auf und dann geht´s los. Dabei lautet Tinos Motto: Vorbeugen ist besser als Reparieren.
Derart gerüstet steuern wir auch die heutigen Etappenziele an: Neuruppin und Pritzwalk. Beim ersten Stopp empfängt uns der Bürgermeister, sonst ist in der verschlafenen Kreisstadt leider so gut wie niemand da. In Pritzwalk nimmt der Stellvertreter des Stadtoberhaupts uns auf dem Marktplatz entgegen, was denn auch zahlreiche Passanten veranlasst, sich in unser Buch der Verantwortung einzutragen.
Dienstag, 26. Juni – Parchim und Schwerin
Die Straßen erweisen sich über weite Strecken erneut als fragmentarische Asphaltierungsversuche und zu allem Überfluss versucht der Wettergott, uns einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen: Seit dem Nachmittag schüttet und bläst und tobt es aus allen Rohren, aber wer unsere Jungs (und das Mädel) kennt, der weiß, dass die sich so leicht nicht aufhalten lassen.
Am meisten freut uns allerdings, dass unser Gast durchgehalten hat: Auf der gesamten Tagesetappe strampelt Klaus sich auf seinem Rennrad ab – und Klaus ist 63 Jahre alt!
Überhaupt heben sich die heutigen Reaktionen auf unseren Deutschland-Trip positiv von dem ab, was wir teilweise in den vergangenen Tagen erlebt und zu hören bekommen haben. Witte in Parchim und der stellvertretende OB von Schwerin, Wolfram Friedersdorf, wissen offensichtlich, von was sie reden. Das ist in diesen Kreisen nicht immer so, denn aus Politikermunde konnten wir im Osten der Republik bereits erfahren: „Wir haben kein Aids-Problem,…..“ Aha! Oder: „In DDR-Zeiten war die Aufklärung besser… .“ Mh! Es scheint, als herrsche auch bei dieser Klientel noch dringender Aufklärungsbedarf . . .
Am Abend sind wir zu Gast im Autohaus Ahnefeld in Schwerin und dort herrscht großer Auftrieb. Sogar die Medien sind vollzählig angereist und Mario Trosien, Regionalleiter Ost der VW Nutzfahrzeuge, überreicht einen Scheck: Er hat bei seinen Mitarbeitern gesammelt und dabei kam ein recht erkleckliches Sümmchen zusammen – bravo!
Mittwoch, 27. Juni – Mölln und Hamburg
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Halbzeit. 11 Tage, fast 2.000 Kilometer Wegstrecke. 1.897 genau, sagt Carsten, und der muss es wissen, schließlich ist er unser Streckenführer.
Zwar müssen unsere Sportler sich durch heftige Regengüsse kämpfen, weil der Himmel mal wieder alle Schleusen öffnet. Bis auf die Haut durchnässt gegen heftige Sturmböen ankämpfen, die sie schier vom Sattel zu fegen drohen.
Aber die Belohnung für alle Qualen fällt reichlich aus. Schon am Mittag gibt es beim Empfang in Mölln Anerkennung der besonderen Art: Rund 30 Schüler und Schülerinnen der 8. Realschulklasse sind angetreten, um im Sitzungssaal des Stadthauses zu erfahren, was wir hier eigentlich tun. Sie sind fasziniert von der sportlichen Leistung, es wird Neugierde an unserem Thema geweckt – nur die Kostprobe der für unsere Sportler so wichtigen Kohlenhydrat-Gel-Tuben von Squeezy fällt unterschiedlich aus: „Igittt – und das müsst ihr euch reinziehen?“ Und: „Schmeckt ja echt geil!“ Danach folgt der praktische Teil: Die gesamte Klasse steigt in den Sattel, um uns ein Stück des Weges zu begleiten! Eine gemütliche Radelei, bei der unsere Pedalritter ihren Knappen auf Zeit sozusagen von Sattel zu Sattel geduldig Rede und Antwort stehen.
Am Abend platzt das Hamburger VW-Nutzfahrzeuge-Zentrum aus allen Nähten, als wir dort einlaufen. Der hiesige KYOCERA-Partner Hilker&Pahl und die Mitarbeiter der Hanse Merkur Versicherung überreichen der Hamburger Ambulanz für Kinder mit Immundefekten zwei Schecks, das Team legt aus der eigenen Spendenkasse noch etwas oben drauf – mit 2.500 Euro können die Kinderkrankenschwestern schon etwas anfangen.
Auch die Aids-Hilfe Hamburg ist begeistert von unserer Aktion und erstmals treten beim abendlichen Indoor-Cyceln auch HIV-positive Menschen wie Torsten in die Pedale, um zu zeigen, dass man auch mit dieser Krankheit nicht aufgeben darf. Und so ganz nebenbei demonstrieren die Betroffenen selbst damit auch, was sie von den angeblichen Vertretern ihrer Interessen in der Stadt sowie den vermeintlich engagierten Medien halten, denn die ignorieren unser Anliegen gleich ganz.
Auszug aus der Pressemeldung Hamburg
Besonders freuen durfte sich Anja Isernhagen von der Kinder-Immundefekt-Ambulanz am Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf: 2.500 Euro Spendengelder wurden ihr für die ambulante Behandlung von HIV-positiven Kindern überreicht. Hilker und Pahl, die Hamburger Vertretung der Druckerspezialisten von KYOCERA und die Angestellten in der Hauptverwaltung der Hanse Merkur Versicherungsgruppe stellten mit ihren Spenden bereits 1.500 Euro zur Verfügung, der "be your own hero e.v." steuerte noch einmal 1.000 Euro aus der Spendenkasse bei. Eine sichtlich glückliche Anja Isernhagen verriet: „Als erstes füllen wir davon unseren Trosttopf für die Kinder auf, aus dem sie Kleinigkeiten wählen können, wenn sie zur Blutprobe müssen.“
Donnerstag, 28. Juni – Rothenburg und Bremen
Heute Nacht hat Tom sich entschlossen, aus persönlichen Gründen auszusteigen. Zum Glück haben wir mit Karsten Verstärkung bekommen – es geht mit sieben Fahrern weiter. Dabei drehen wir nun wieder gen Süden ein: Rotenburg an der Wümme ist erstes Etappenziel, am späten Nachmittag dann Bremen.
Auf der Strecke gibt es diesmal einige Aufregung. Erst dreht Steffen plötzlich um und kommt dem Begleitfahrzeug entgegen – ja was ist denn jetzt los? Hat der etwa völlig die Orientierung verloren? Doch keine Panik: Der Schlaks hat nur sein Glücksbändchen verloren und ohne fährt er natürlich nicht weiter! Tatsächlich findet er das Armband gleich wieder, streift es über, macht eine Kehrtwende und hetzt den anderen hinterher, bis er wieder Anschluss findet.
Schön ist auch der Empfang in Rotenburg durch den Bürgermeister. Der hat sich nicht nur mit der Aids-Problematik befasst, er scheint außerdem einen irren Respekt in der Bevölkerung zu genießen. Als eine ältere Dame unsicher vor unserem „Buch der Verantwortung“ steht, rät er ihr: „Da können Sie ruhig unterschreiben, das geht in Ordnung!“ Worauf die honorige Seniorin hoch konzentriert eine wunderschöne Signatur auf das leere Blatt pinselt und strahlend erklärt: „Wenn der Bürgermeister das sagt, dann stimmt das auch.“
Weil an diesem Abend aber kein Indoor-Event stattfindet und wir direkt zur Jugendherberge fahren können, haben wir so richtig frei!!! Die Sportler nutzen die Zeit, ihre lädierten Muskeln mal so richtig durchkneten zu lassen, es werden Postkarten an die Lieben zuhause geschrieben oder einfach ein paar Mützen Schlaf vor dem Abendessen genommen. Und weil das Wetter im Tagesverlauf zunehmend aufklarte und mittlerweile sogar die Sonne scheint, unternehmen einige einen Bummel durch den nahe gelegenen Stadtkern, andere sitzen einfach am Weserufer und genießen die Ruhe.
Freitag, 28. Juni – Oldenburg und Meppen
Freitag der 13., sozusagen. Ganz so schlimm wurde es dann doch nicht. Ein Sahneschlecken gab es allerdings auch nicht. Unsere Sportler müssen hart arbeiten auf ihrer Fahrt durchs Ems- und Oldenburger Land. Der Wind stürmt mit Macht über Äcker und Wiesen, weht pfeifend um die Ecken der roten Ziegelhäuser, zupft und zäuselt an Mähnen und Schweifen der auf den Gütern weidenden Pferde – und er zerrt an den Jacken von Joachim und Co.
Dazu gesellt sich das psychologische Moment dieser offenen Agrarlandschaft, wo Straßen sich meist kerzengerade durch die auf Dauer reichlich monotone Pampa fräsen: Mein Gott, nimmt dieser Weg denn überhaupt kein Ende mehr?
Und wer jetzt noch keine schweren Augendeckel bekommt, der stelle sich dazu eine kilometerlange Gerade vor, rechts und links wogendes Getreide bis zum Horizont, eine Welt fast ohne Abwechslung für die Sinne, alles fließt so vor sich hin, träge und schräge und die Schäfchen queren – halt: beinahe wäre der Mahuma jetzt selbst eingeschlafen.
Eine Punktlandung zu den Empfängen im altehrwürdigen Oldenburger Rathaus und dem gemütlichen Sportcenter Elvis B. in Meppen legen wir hin. Und unsere Expedition setzt sogar außerhalb der sportlichen Herausforderung noch ein Zeichen: Dirk schafft im Restaurant Schnitzelwelt in Meppen, was vor ihm noch so gut wie niemandem gelungen ist – er verdrückt in heldenhaftem Einsatz nicht nur einen Berg Pommes und einen halben Garten voll Salat mit Soße, sondern ringt als Hauptspeise auch einen Ein-Kilo-Burger nieder.
Samstag, 30. Juni – Rheine und Münster
14 Tage sind wir nun unterwegs. Das Zeitgefühl geht einem so langsam verloren. Wie, heute ist Samstag? Es gibt Arbeit zu erledigen, Knochenarbeit.
Manchmal macht Arbeit aber auch Spaß. So wie heute. Joachim und Regina, Brauni, Heino, Karsten, Olli und Steffen fahren wie ein Eilzug durch die Parklandschaften und putzigen Dörfer des Ems- und Münsterlands geblasen.
Auch die Empfänge fallen toll aus. In Rheine fordert die stellvertretende Bürgermeisterin ihre Mitbürger am Marktplatz per Lautsprecher auf, sich in unserem „Buch der Verantwortung“ einzutragen – mit beachtlichem Erfolg. Und sie nimmt sich anschließend mehr als anderthalb Stunden Zeit, um sich über den Verlauf unseres deutschen Abenteuers zu informieren. Das freut den Steffen ganz besonders, schließlich hat er vier Jahre hier gelebt.
Am Abend geht dann im Volkswagen-Zentrum Münster die Post ab – was Inhaber Johann Friedrich Knubel und sein Geschäftsführer Siegfried Gerdes hier auf die Beine gestellt haben, ist schon irre: Ein zahlreich angetretenes Publikum erwartet uns, darunter die Bürgermeisterin und ein vollzähliges Pressekorps, um zu hören, was wir bisher erlebt haben und was wir noch erreichen wollen.
Danach ist Schluss mit Geschichten erzählen: Mehr als ein halbes Hundert Gäste haben für die gute Sache gespendet und treten jetzt in die Cycle-Pedalerie.
An einem botschaftsreichen Tag wie dem heutigen darf man feiern.
Sonntag 1. Juli: Mönchengladbach
die ‚aids awareness expedition 2007’ machte Station im BORUSSIA PARK
Das gestrige Etappenziel der 4.000 Kilometer langen aids-awareness-Tour durch Deutschland war der BORUSSIA-PARK in Mönchengladbach. Dort sorgte KYOCERA gemeinsam mit seinem Partner ITZ nicht nur für ein buntes Rahmenprogramm, mit fast 10.000 € kam auch eine stattliche Spendensumme für die Deutsche AIDS-Stiftung und weitere lokale Projekte zusammen.
Prominenten-Team und Indoorcycling waren die Höhepunkte für die Besucher
Heutiges Etappenziel der ‚be your own hero’-Tour war der BORUSSIA-PARK in Mönchengladbach. Um an diesem Tag möglichst viele Spendengelder für die verschiedenen Hilfsprojekte zu sammeln, haben KYOCERA und ITZ ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm
für die Besucher zusammengestellt. Schon der Einzug des Prominenten-Teams, das gemeinsam mit Joachim Franz die letzten Kilometer der Etappe zurückgelegt hatte, sorgte für gehöriges Aufsehen. Unter anderem traten dabei die ehemalige Mönchengladbacher Oberbürgermeisterin
Monika Bartsch, Lothar Erbers (Vorstandsmitglied der Volksbank Mönchengladbach), Friedhelm Kirchhartz (Vorstandsvorsitzender NVV), Norbert Wolter (Service Direktor und Mitglied der Geschäftsleitung von KYOCERA Document Solutions) sowie Borussia-Geschäftsführer Stephan Schippers für die
gute Sache in die Pedale. Gemeinsam mit dem Joachim Franz Team radelten sie in den Borussia Park ein. Begrüßt wurde das Prominententeam im Borussia Park von Oberbürgermeister Norbert Bude.
Besonderer Höhepunkt war anschließend das spektakuläre Indoorcycling-Event. Jeder Teilnehmer hatte durch diese besondere Aktion die einmalige Chance, selber auf den Sattel zu steigen und durch seinen persönlichen Einsatz die Spendengelder für die Deutsche AIDS-Stiftung weiter zu erhöhen.
Darüber hinaus nutzten die zahlreichen Besucher die Möglichkeit, sich nicht nur in das „Buch der Verantwortung“ einzutragen, sondern auch die Chance, sich über die Gefahren durch AIDS umfassend zu informieren.
Gemeinsam mit seinem Partner ITZ überreichte KYOCERA im Anschluss an die Pressekonferenz einen Scheck über 1.000 € für die Aidshilfe Mönchengladbach an Joachim Franz.
Trikot-Versteigerung bringt noch dickes Extra in den Spendentopf
Die Sondertrikots mit japanischem KYOCERA Schriftzug von Oliver Neuville, Marcel Jansen und Co. erfreuten sich großer Beliebtheit, so dass durch ihre Versteigerung insgesamt 8.913,62 € zusätzlich in den Spendentopf gespült wurden. Norbert Wolter, Service Direktor und Mitglied der Geschäftsleitung der KYOCERA Document Solutions Deutschland GmbH, sagte bei der Scheckübergabe an Joachim Franz: „Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit unseren Partnern Joachim Franz bei seinen Aktionen seit Jahren so tatkräftig unterstützen können. Nicht nur hier in Mönchengladbach, sondern auch in Berlin,
München, Hamburg und Frankfurt haben wir dadurch die Möglichkeit, Geld für dieses wichtige Projekt zu sammeln. Bedanken möchte ich mich aber auch bei all jenen Borussia-Fans, die so begeistert für die Trikots geboten haben.“
Montag, 2. Juli – Neuss, Köln, Bonn und Koblenz
Gibt´s bei euch zuhause nur Liebe, Glück und Eierkuchen? Nee – dachte ich mir schon. Bei 32 Menschen, die wochenlang mehr oder minder rund um die Uhr aneinander kleben, bleiben Spannungen erst recht nicht aus. Macht aber nichts: Wo der eine muffelt, springt eben der andere ein – und umgekehrt. Nur so kann man Expeditionen dieser Größenordnung erfolgreich über die Runden bringen.
Auch Joachim ist leicht brummig. Oder macht er das etwa mit Rücksicht auf die anderen? O-Ton: „Heute war ja starker Rückenwind, also habe ich meinen Leuten Windschatten von hinten gegeben.“ Aha – interessante Theorie!
Zum Trost dürfen wir dann in Bonn jenen Teppich im Dienstzimmer mit Füßen treten, über den schon Kennedy, Gorbatschow und die gesamte deutsche Kanzlerei dahinwandelten.
Nun ja, gut gemeint, nur: Was nutzt das nun wieder im Kampf gegen Aids? In Neuwied geht gerade ein Stadtfest über die Bühne und da ist natürlich verständlich, dass der Bürgermeister lieber die frohen Stunden mit seinen Bürgern teilt, als ihnen die Freude mit einem bedrohlichen Thema zu vermiesen – trotzdem schade.
Ansonsten läuft es. Nach einem gut gedeckten Frühstückstisch bei Partner Franken in Neuss und der Querung der Kölner Häuserschluchten folgt die Route meist dem Lauf von Vater Rhein.
Dienstag, 3. Juli – Wiesbaden und Frankfurt
Es regnet. Fast den ganzen Tag. Und es geht steil bergauf, dann mindestens genauso steil bergab. Wieder nach oben, wieder runter. Quälende Anstiege, halsbrecherische Abfahrten mit bis zu 80 km/h auf nassem Asphalt. Zunächst durch den Westerwald, dann über den Taunus. Dichte Wälder auf den Höhen, verschlafene Dörfer inmitten von Wiesenlandschaften in den Tälern.
Der heutige Tag beschert uns einen Erfolg nach dem anderen und Hessens Ministerpräsident trägt seinen Teil dazu bei. Den treffen wir nämlich zufällig beim Empfang im Wiesbadener Rathaus. Koch findet die Aktion toll und lässt es sich nehmen, wenigstens seine Unterschrift in unser „Buch der Verantwortung“ zu setzen.
Dabei erleben wir in Wiesbaden noch weitere Überraschungen. In der hessischen Landeshauptstadt hat man sich gut vorbereitet, sogar die Polizei ist über unser Kommen informiert und lässt uns trotz aller Sicherheitsvorkehrungen rund um Kochs Besuch bis zum Rathaus vorfahren.
Fernsehen und Presse sind präsent, als Stadtrat Detlev Bendel uns empfängt, der Pressechef des Team-Partners Abbott ist erschienen. Und wieder ist Fortuna auf unserer Seite: Thomas Freiherr von Stenglin befindet sich ebenfalls im Rathaus und der ist erstens Geschäftsführer des Casino Wiesbaden und bekommt zweitens Wind von unserer Sache – spontan stellt er einen Spendenscheck über 1.000 Euro aus!
Drei Stunden später sind wir in Frankfurt. Das Volkswagen-Zentrum empfängt uns mit einem tollen Arrangement. Nach der offiziellen Begrüßung überreicht der regionale KYOCERA-Partner Office Systems Trading aus Steinbach einen Spendenscheck über 1.000 Euro an die Frankfurter HIV-Kinderambulanz. Dr. Dr. Lindner, Oberarzt der immunologischen Ambulanz des Frankfurter Universitätsklinikums und sein Kollege Dr. Königs sind persönlich gekommen, um den Scheck in Empfang zu nehmen und um über ihre Arbeit mit HIV positiven Kindern zu berichten. Zahlreiche Pressevertreter waren dabei und last not least ein Publikum, das im halben Hundert bereit ist, im Kampf gegen Aids drei Stunden lang auf den Indoor-Cycles den Schweiß fließen zu lassen.
Mittwoch, 4. Juli – Aschaffenburg und Würzburg
Zwei Etappen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Zunächst durchs flache Land von Frankfurt nach Aschaffenburg, zum Empfang im Rathaus. Danach der Anstieg in den Spessart: Von 170 Metern über dem Meer auf 550, da läuft unseren Athleten der Schweiß in Strömen durchs Trikot, obwohl es garstig regnet (wo bleibt eigentlich der Sommer?)
Das VW-Zentrum in Würzburg nimmt uns herzlich entgegen, die Oberbürgermeisterin erweist sich als ebenso engagiert wie zupackend: „Können wir so ein Arrangement nicht in Zukunft wiederholen?“ Klar – äh: Solange wir nicht wieder mit dem Rad anreisen müssen.
Die Gastfreundschaft ist umso erstaunlicher, als wir ja gleich mit einer ganzen Horde vom Stamme der Pedaleure einfallen: Schon in Marktheidenfeld stoßen 13 Jugendliche vom Radclub Concordia Karbach zu uns, um mitzuradeln, und später schließen sich noch 12 Mitarbeiter der Firma KBA dem wilden Ritt durchs kalte Donnerwetter an.
Auch unterwegs haben wir Zuspruch erhalten. Oder war es Doping? Um den Tathergang zu verstehen, muss man die Abläufe unseres Unternehmens kennen. Also: Unsere Radtruppe darf ja nicht zu früh zu offiziellen Empfängen einlaufen. Erstens ist der Bürgermeister womöglich noch in einer Besprechung. Und zweitens sind die Kollegen von den Medien garantiert noch nicht am Platz, weil in dieser Branche zu früh kommen total verpönt ist (da weiß ich genau Bescheid).
Donnerstag, 5. Juli – Schäwbisch Hall und Aalen
Regen. Regen. Regen. Keine Ahnung, wo der ganze Kram herkommt. Unsere Radsportler jedenfalls können das Zeug langsam nicht mehr sehen. Heute schüttet es von morgens bis abends und bei Temperaturen um 15 Grad darf spätestens bei den Abfahrten gebibbert werden. Olli behauptet, die Temperaturen lägen bei gefühlten Null. Nur Regina, die sieht das alles anders: „Und wenn es die letzten drei Tage auch noch regnet, was soll´s!“
Überhaupt, die eiserne Lady. Alex, unser Chiropraktor mit Doktorenwürden, ist ganz fasziniert von ihr. Im rein medizinischen Sinn, natürlich: „Regina ist die einzige, die nie wegen einer Behandlung zu mir kommt. Die ist einfach topfit.“ Sind die anderen natürlich auch.
Aber sie spüren die Strapazen der letzten 19 Tage. Die rund 3.500 Kilometer Strecke. Das Hinauf und Hinunter. Den Gegenwind. Die Hitze und den Regen. Alex spricht von Ermüdungserscheinungen der Muskulatur, von Reizungen und Verspannungen – wir Normalsterbliche würden das wohl schwere Beine nennen und krumme Rücken.
Diese Lapalien werden unsere Karawane jedenfalls nicht daran hindern, auch die letzten Etappen noch durchzuziehen. Heute hat nicht mal die Polizei geschafft, sie zu stoppen. Leider gibt es ja auch bei den Ordnungshütern noch Herrschaften, deren mentale Eigenschaften eigentlich einer näheren Prüfung bedürften. Solche etwa, die sich gelegentlich im Ton vergreifen. Wir haben heute Gelegenheit, einen solchen Fall zu studieren.
Sowohl in Schwäbisch Hall als auch in Aalen werden wir freundlich aufgenommen. Oberbürgermeister, Schulklassen, Presse, Funk und Fernsehen, alles ist vertreten und die Stadtväter erweisen sich als durchaus profunde Kenner der Materie. Der Chef in Schwäbisch Hall spendiert der gesamten Truppe im nahe beim Rathaus gelegenen Restaurant sogar ein Mittagessen: „Ich möchte ja, dass Sie trotz des miesen Wetters durchkommen mit Ihrer Mission!“
Freitag, 6. Juli – Ingolstadt
Ja, was ist denn nun los? Joachim blockert vorneweg. Er legt ein derartiges Höllentempo vor, dass er gleich schon mal das eigene Begleitfahrzeug im Stadtverkehr abhängt.. „Heute durften die anderen sich ausruhen.“ Jawohl! „Weil morgen eine Hammeretappe ansteht: Bis zum Zwischenstopp in Landshut sind es schon 80 Kilometer. Von dort bis zum Tagesziel in Bad Reichenhall aber liegen etwa 130 Kilometer, zu bewältigen in knapp viereinhalb Stunden, macht einen 30er Schnitt.“
Vorrat angefressen haben sie allerdings auch. Die Leute im Ingolstädter VW-Zentrum haben uns nämlich nicht nur herzlich aufgenommen, sondern noch dazu ganz schön dick aufgefahren und einen kleinen Biergarten angelegt, wo es bergeweise Schnitten gibt und Weizenbier dazu – alkoholfrei, versteht sich.
Und die Post war auch schon da: ein Paket mit Kuchen! Eine der Schwestern von Heino hat den Kalorienbomber (Schoko! Marzipan!) selbst gebacken, schließlich kennt sie ihr Brüderchen. Und damit die Truppe nicht die Orientierung verliert, hat sie oben drauf sogar eine Aids-Schleife gelegt. Derart vorbereitet kann morgen ja eigentlich nichts mehr schief gehen.
Samstag, 7. Juli – Landshut und Bad Reichenhall
Die Rechnung geht tatsächlich auf: Unsere sieben Sportler prügeln über die Piste, dass es nur so staubt und der Zeitplan wird eingehalten. Jeder übernimmt für eine Stunde die Ackerei an der Spitze, jeder hält den Schnitt bei über 30 km/h.
Wäre nicht der Schweiß in Strömen geflossen, stoßweise nach Atem gerungen und der Muskelapparat bis zur Schmerzgrenze gepeinigt worden, dann hätten unsere Jungs und das Mädel womöglich die Reise genossen. Die weiten Maisfelder und Hopfenplantagen Niederbayerns beispielsweise, mit den kleinen Dörfern und Städtchen dazwischen.
Landshut und Bad Reichenhall, die beiden Anlaufstationen des Tages, sind ja auch recht schön, richtig altmodisch-malerische Kleinstädtchen, in denen dank der gerade über die Bühne gehenden Stadtfeste auch noch das volle Leben pulsiert – und hier durfte unser Radteam während der Empfänge ja nicht nur etwas verschnaufen, sondern wenigstens einen kurzen Blick auf das bunte Treiben werfen.
Eigentlich haben wir nun unsere Schleife fertig gezogen. Von Freiburg bis Bad Reichenhall in weitem Rund durch die gesamte Republik. Trotzdem geht es morgen noch einmal weiter: Ein kleines Häkchen – nun ja, die Radsportler sehen das „klein“ vermutlich anders – muss noch gefahren werden. Es führt uns über Rosenheim wieder gen Norden bis nach München, wo mit der Eröffnung der ISPO endgültig das Ziel erreicht ist.
Ein erstes Fazit können wir aber schon ziehen und das fällt recht gespalten aus. Wir haben viel Hilfsbereitschaft erlebt und Zuspruch bekommen, aber auch eine Menge Unsinn gehört und erschreckende Wissenslücken entdeckt. Dazu konnten wir runde 50.000 Euro an Spenden sammeln. Mindestens genauso wichtig aber sind die zahlreichen neuen Kontakte zu Aids-Hilfen, Beratungsstellen und Gesundheitsämtern: So wie es aussieht, wird schon bald eine zweite Aids-Schleife über Deutschland gezogen – mit dem Auto allerdings und nicht unbedingt in der richtigen Reihenfolge – so groß ist das Interesse am Schulvortrag „be your own hero“.
Sonntag, 8. Juli – Rosenheim und München
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Ein würdiges Finale: Die Ankunft auf der ISPO in München wird gehörig zelebriert. Großen Bahnhof nennt man das. Sogar Messe-Chef Manfred Wutzlhofer lässt es sich nicht nehmen, uns die Hände zu schütteln. Die Partner KYOCERA und Hauser Büroorganisation, Sympatex, Gonzo und Tomahawk überreichen Spenden an den Verein „be your own hero“ und an die Münchner HIV-Kinderambulanz. Politik, Fernsehen und Presse sind angerückt, das Messepublikum staunt.
Vorher war es an uns, zu staunen: Auf dem sonnig-heißen Weg von der Jugendherberge in Berchtesgarden nach München machen wir Zwischenstopp in Rosenheim – an einem Sonntagvormittag! Trotzdem nimmt uns ein Stadtrat samt Verwaltungskollegen in Empfang – und die Stadt hat ihre Bürger zu Spenden aufgerufen! Dem uns überreichten Scheck fehlt also noch ein endgültiger Betrag, die ersten 500 Euro aber spendet gleich vor Ort Richard Meisinger, Geschäftsführer des hiesigen VW Autohauses. Und Steffen, der wird von Bravo-TV interviewt . . .
Wenn die ISPO für heute ihre Tore schließt, ist unsere Tour endgültig beendet. Wir werden zur Jugendherberge fahren, die Autos abstellen, und frisch machen und dann irgendwo ein letztes Mal gemeinsam essen gehen.
Pressemitteilung
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Drei Wochen tourte das Team Joachim Franz im Rahmen der diesjährigen ‚aids awareness expedition' quer durch Deutschland. Ziel der Kampagne war es, nicht nur für verschiedene AIDS-Hilfe-Projekte so viele Spenden wie möglich zu sammeln, sondern es sollte vor allem die Bevölkerung wieder stärker auf die Gefahren der Immunschwächekrankheit aufmerksam gemacht werden. Um hierfür den richtigen Rahmen zu schaffen, hat KYOCERA das Team Joachim Franz nicht nur finanziell unterstützt. In vielen Städten sorgte der japanische Outputspezialist durch gemeinsame Aktionen mit seinen Partnern auch für zusätzliche Aufmerksamkeit. Insgesamt kamen durch das Engagement von KYOCERA, Horn & Görwitz Informationstechnologie, Hilker & Pahl, ITZ Rhein/Maas GmbH sowie Office Systems Trading GmbH und der Hauser Office Management GmbH über 15.000 € für den guten Zweck zusammen.
Nach der Abschlussetappe der diesjährigen ‚aids awareness expedition' in München zogen Teilnehmer und Veranstalter eine äußerst positive Bilanz der drei Tourwochen. Ingesamt kamen durch die verschiedenen Aktionen in Berlin, Hamburg, Mönchengladbach, Frankfurt und München Spenden von über 15.000 € zusammen. "Diese Summe hat unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen. Wir danken allen Beteiligten, vor allem aber unseren engagierten Geschäftspartnern, ganz herzlich", unterstreicht Reinhold Schlierkamp, Geschäftsführer KYOCERA Document Solutions Deutschland, den Erfolg der ‚aids awareness expedition'.
"Wir haben gerne an dieser Aktion teilgenommen, Hamburg ist eine große Stadt, in der AIDS zwar ein stets aktuelles Problem ist, über das in letzter Zeit aber viel zu wenig gesprochen wird. Wir freuen uns, dass wir mit unseren Kunden und Mitarbeitern dazu beigetragen konnten, Joachim Franz und sein Team bei seiner Aufklärungsarbeit zu unterstützen", beschreibt Hilker & Pahl-Geschäftsfüher Jens Hilker die Situation in Hamburg. Auch Horn & Görwitz-Geschäftsführer Maximilian Görwitz hat ähnliche Erfahrungen gemacht: "Wir waren überrascht, wie wenig gerade junge Menschen über AIDS Bescheid wissen. Wir freuen uns deswegen besonders, mit KYOCERA diese Aktion unterstützt zu haben. Gemeinsam zeigen wir dadurch Geschäftspartnern und Endkunden wie wichtig heutzutage soziales Engagement ist."
Absoluter Publikumsmagnet bei allen Veranstaltungen war das Indoorcycling-Event. "Dies hat nicht nur den vielen Besuchern der ISPO großen Spaß gemacht, sondern auch unsere Mitarbeiter und Kunden waren begeistern", freut sich Hauser Office Management-Geschäftsführer Jens Stumpf über die große Beteiligung auf der Abschlussveranstaltung in München. "Es macht uns deswegen doppelte Freude, dem Team Joachim Franz noch einmal zusätzlich 1.000 € für ein lokales AIDS-Projekt zur Verfügung stellen zu können", so Stumpf weiter.
KYOCERA Color Race bringt weitere Spenden
Im Rahmen des letzten Tourtages überreichte KYOCERA-Pressesprecherin Monika Jacoby weitere 500 Euro an das Team Joachim Franz. Mit dem KYOCERA Color Race bot der Outputspezialist seinen Businesspartnern eine spezielle Reseller-Promotion. Zum Team von Joachim Franz gehörten nämlich nicht nur seine Mitfahrer, sondern auch der ECOSYS-Farblaserdrucker FS-C5015N war mit von der Partie. In einem einmaligen Härtetest absolvierte er im Medienwagen ebenfalls die gesamten 4.000 Kilometer. Als besonderes Dankschön für die Zusammenarbeit spendete KYOCERA 500 Euro für den ‚be your own hero'-Verein.